Kommentar zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen

Alle Menschen sind behindert. Jeder der auf Hilfe, in welcher Form auch immer, angewiesen ist wird behindert. Kinder brauchen eine helfende Hand, ebenso wie wir alle im hohen Alter Unterstützung benötigen. Dabei haben manche Menschen das Glück vorübergehend eigenständig und selbstbestimmt auf Hilfe verzichten zu können. Aber selbst dann wird man durch Rahmenbedingungen und Lebenssituationen behindert. Jedes Elternteil mit Kinderwagen oder Verunfallte mit Gipsbein kann das bestätigen.

Aber nicht nur materielle Barrieren führen zu Behinderungen. Nicht Wenige haben Schwierigkeiten politischer Debatten zu folgen, im Verstehen von fremden Sprachen oder sich gegenüber unbekannten Menschen emotional zu öffnen. All diese Facetten zeigen, wie das gesellschaftliche Zusammenleben auf der einen oder anderen Art jeden Menschen behindert.

Heute ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen. Gerne wäre ich bei einer Kundgebung in Berlin, doch wie es der Zufall will, ist es der Deutschen Bahn nicht möglich behinderte Menschen zu gewissen Zeiten mit dem ICE zu befördern. Alleine daran ist schon erkennbar, dass Menschen noch immer in elementaren Rechten behindert werden. Und auch wenn wir in Deutschland schon viel zum Erreichen des Ziels „Inklusion“ und der Gleichstellung aller Menschen getan haben, so ist es das Verständnis für den Begriff, der uns im Erreichen des Ziels aufhält. Für mich ist Inklusion ein gesellschaftlicher Wert, der fundamental für unser friedliches und liberales Zusammenleben ist. Inklusion zwingt uns, uns ständig im Wandel zu befinden. Inklusion ist der immerwährende Prozess allen die gleichen Chancen und Möglichkeiten zu gewähren. Die Chance auf einen Arbeitsplatz, ein Aufwachsen in Frieden, auf Bildung, auf das feierliche Bier mit Freunden oder die Möglichkeit von A nach B zu kommen.

Ich möchte dazu aufrufen, Inklusion als ein Recht zu begreifen, das jedem Einzelnen nützt. Für eine barrierefreie Welt, in der die Mutter mit dem Kinderwagen nicht durch Stufen vor Geschäften behindert wird. Für eine vorurteilsfreie Welt, in der der Name nicht Grund für einen Ausschluss bei der Arbeitssuche ist. Und für eine Welt, in der jedes Kind die Möglichkeit erhält zu erkennen, dass jeder Mensch verschieden Fähigkeiten und Schwächen haben kann.

Diese Welt kann, wird und fängt in Hameln-Pyrmont an, nicht zuletzt mit dem Kuratorium zur Förderung von Menschen mit Behinderung.

-Constantin Grosch

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